Brief des Unterrichtsministers

Gemeindeschule Herbesthal


COVID-19 Pandemie: Weiterer Verlauf des Schuljahres


Sehr geehrte Eltern,


seit einigen Wochen bestimmt die COVID-19 Pandemie unser Leben in einem noch nie da gewesenen Ausmaß. Diese außergewöhnliche Krise beeinträchtigt unser familiäres, gesellschaftliches und berufliches Leben. Durch die Aussetzung des Unterrichts hat sich auch der schulische Alltag, wie wir ihn bislang kannten, grundlegend verändert.

Die Umstellung von klassischem Unterricht auf Fernunterricht stellt für uns alle - Schulen, Eltern, Schüler und Bildungsverantwortliche – eine Herausforderung dar. Die ersten Wochen haben gezeigt, dass wir uns alle gemeinsam dieser Herausforderung stellen, um sie bestmöglich zu meistern. Wir alle sind bemüht, mit dem Unterrichtsausfall auf positive und konstruktive Weise umzugehen. Als Eltern kommt Ihnen dabei momentan eine wichtige Rolle zu, die viele unter Ihnen aufgrund beruflicher und/oder familiärer Verpflichtungen mitunter schwer belastet. Mir ist bewusst, dass Sie gerade unter widrigen Umständen das Beste aus der Situation machen. Deshalb möchte ich Ihnen für Ihre Unterstützung aufrichtig danken!

Der Nationale Sicherheitsrat hat am 15. April 2020 beschlossen, dass der Unterricht in den Schulen bis zum 03. Mai 2020 einschließlich ausgesetzt wird. Grundsätzlich sollen die Schüler der Schule weiterhin fernbleiben. Für den Fall, dass die Kinder nicht zu Hause betreut werden können, gewährleisten die Schulen auch nach den Osterferien eine Betreuung. Aktuelle Informationen zur Betreuung in den Schulen, zur außerschulischen Betreuung und zur Schülerbeförderung finden Sie in dem FAQ-Dokument auf dem

Bildungsportal der Deutschsprachigen Gemeinschaft:

www.ostbelgienbildung.be/coronavirus


Als Bildungsminister bin ich für die schulische Bildung Ihrer Kinder verantwortlich. Dabei ist es mir besonders wichtig, dass den Kindern und Jugendlichen keine allzu großen Nachteile durch die Krise entstehen. Zum einen soll durch den Fernunterricht unter diesen außergewöhnlichen Umständen das Recht der Kinder auf Bildung gewahrt bleiben. Zum anderen darf kein Kind dadurch benachteiligt werden, dass es zu Hause nicht über die erforderliche technische Ausstattung und/oder pädagogische Unterstützung verfügt.


Fernunterricht


Der Nationale Sicherheitsrat hat sich noch nicht dazu geäußert, ob und ggf. wann der Unterricht in diesem Schuljahr wieder aufgenommen wird. Vor diesem Hintergrund habe ich die Schulen aufgefordert, Aufgaben und Übungen vorzubereiten, die es Ihren Kindern ermöglichen, sich selbstständig auf neue Kompetenzen und Inhaltskontexte vorzubereiten. Diese Lernpakete werden Ihnen nach den Osterferien je nach Möglichkeit digital oder in Papierform zugestellt. Jeder Schüler erhält ein schlankes Pflichtprogramm sowie ein zusätzliches Wahlprogramm. Alle Schüler sollen die Pflichtaufgaben erfüllen. Die Wahlaufgaben können die Schüler zusätzlich erfüllen, wenn sie dies möchten. Die Lehrer bemühen sich, die Lernpakete so zu gestalten, dass Schüler sie möglichst eigenständig bearbeiten können. Die Lehrer werden den Schülern Rückmeldungen zur geleisteten Arbeit geben und sie möglichst aktiv in ihrem Lernprozess begleiten. Die Modalitäten und die Häufigkeit der Rückmeldungen liegen im Ermessen der Schulen.


Die Schulen wurden gebeten, die Unterstützung, die durch die Eltern erforderlich ist, auf ein Minimum zu begrenzen und grundsätzlich das Alter der Schüler und ihre Möglichkeiten bei der Gestaltung der Arbeitsaufträge zu berücksichtigen.


Es ist mir sehr wichtig zu betonen, dass es sich hierbei um eine Vorbereitung auf den Unterricht in der Klasse handelt und nicht um einen Ersatz für den Unterricht in der Schule. Die Kinder sollen in einem ersten Schritt Materialien zu Hause bearbeiten, um sich neue Themen zu erschließen und neue Kompetenzen zu erwerben. In einem zweiten Schritt werden die Kompetenzen und Inhalte - nach der Wiederaufnahme des regulären Unterrichts in diesem oder im nächsten Schuljahr – mit dem Lehrer im Klassenzimmer aufgegriffen und gemeinsam bearbeitet. Durch die vorangegangene Arbeit zu Hause soll ermöglicht werden, dass die Zeit, in der der Unterricht in der Schule ausgesetzt war, schneller aufgeholt werden kann.


Da die Grundschulen im 6. Schuljahr nicht die Möglichkeit haben, den Unterrichtsausfall in der Primarschule im kommenden Schuljahr zu kompensieren, wurden die Grundschulen gebeten, ihr Augenmerk auf die Schüler des 6. Schuljahres zu legen und sie beim Erwerb der wesentlichen Kompetenzen besonders zu unterstützen, damit der Übergang zur Sekundarschule möglichst reibungslos verläuft und die Anschlussfähigkeit gewährleistet ist. Die Sekundarschulen wurden darauf hingewiesen, dass die Primarschüler aufgrund der Aussetzung des Unterrichts voraussichtlich nicht alle Kompetenzen erworben haben werden. Die Sekundarschullehrer werden diese besondere Situation berücksichtigen und die Schüler im kommenden Schuljahr entsprechend ihres jeweiligen Kompetenzstandes fördern.


Die Schulen wurden aufgefordert, sowohl im Fernunterricht als auch nach der Wiederaufnahme des regulären Unterrichts die individuellen Bedürfnisse der Schüler zu berücksichtigen und differenziert zu unterrichten.


Auch für die Lehrer stellt die aktuelle Situation eine Herausforderung dar. Sie versuchen, die Schüler trotz der schwierigen Umstände weiterhin bestmöglich in ihrem Kompetenzerwerb zu unterstützen. Dafür bin ich den Pädagoginnen und Pädagogen überaus dankbar!


Ich möchte Sie als Eltern bitten, die Schulen in ihren Bemühungen so gut wie möglich zu unterstützen, indem Sie folgende Empfehlungen umsetzen:


  • Helfen Sie Ihrem Kind, eine Tagesstruktur zu finden, und schaffen Sie geeignete Rahmenbedingungen für das Lernen, damit es sich mit den Aufgaben und Übungen befassen kann.

  • Vermeiden Sie Überforderung. Es geht in dieser Phase nicht darum, dass Kinder alles korrekt lösen, sondern dass sie sich auf den Unterricht in der Klasse vorbereiten.

  • Der Zeitrahmen muss dem Alter des Kindes angepasst sein, so dass genügend Zeit für Spiel und Bewegung bleibt.

  • Lassen Sie Ihr Kind so weit wie möglich selbstständig an den Aufgaben und Übungen arbeiten. Sie sollten nicht die Lehrerrolle übernehmen.

  • Wenden Sie sich an den zuständigen Lehrer, wenn Verständnisfragen aufkommen, und teilen Sie ihm mit, wenn Ihr Kind Aufgaben oder Übungen nicht lösen kann oder der Umfang der Arbeitsaufträge Ihnen unangemessen erscheint.

  • Die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern ist in der aktuellen Situation wichtiger denn je. Bitte wenden Sie sich daher vertrauensvoll an Ihre Schule, wenn Sie Schwierigkeiten mit dem Fernunterricht oder Fragen haben, und orientieren Sie sich an den Informationen, die Sie vonseiten Ihrer Schule erhalten (z.B. in Form von Elternbriefen oder Rückmeldungen von Lehrern).



    Leistungsbewertung


    Aufgrund der Aussetzung des Unterrichts haben die Kinder kostbare Unterrichtszeit verloren. Sollte der Unterricht noch vor Schuljahresende wieder aufgenommen werden, wozu es derzeit noch keine Aussage seitens des Nationalen Sicherheitsrates gibt, dann sollte die verbleibende Zeit nicht mit (Vorbereitungen auf) Prüfungen verbracht, sondern bestmöglich für den Unterricht genutzt werden. Aus diesem Grund findet nach der eventuellen Wiederaufnahme des Unterrichts in diesem Schuljahr an allen Tagen – außer an Wochenenden und Feiertagen – bis zum 30. Juni 2020 Unterricht statt. Das bedeutet, dass in der Primarschule keine Prüfungen organisiert werden und es keine zusätzlichen freien Tage wie beispielsweise an Brückentagen (22.5.2020) geben wird.


    In dem Zeugnis, das im Juni verliehen wird, werden ausschließlich die Leistungen bewertet, die die Schüler seit der Vergabe des letzten Zeugnisses in der Schule erbracht haben – also vor und/oder nach der Aussetzung des Unterrichts. Die Bewertung bezieht sich somit ausschließlich auf Kompetenzen, die im Unterricht in der Schule vermittelt wurden.


    Versetzungsentscheidungen werden vom Klassenrat auf der Grundlage der Jahresarbeit getroffen. Im Zweifelsfall trifft er unter Berücksichtigung der besonderen Umstände die Entscheidung zugunsten des Schülers.


    Bei allen Bemühungen, den Unterricht auf alternative Art und Weise aufrechtzuerhalten, sollten wir eines nicht vergessen: Die Bildung unserer Kinder ist kostbar, ihr Wohlergehen unbezahlbar! Es ist Ihre Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass Ihre Kinder mit der Aussetzung des Unterrichts, der sozialen Distanzhaltung und den derzeitigen Ausgangs- bestimmungen zurechtkommen, die Aufgabe der Schulen wird es sein, sie dort abzuholen, wo sie stehen.



    Ich danke Ihnen für Ihre Mitarbeit!


    Mit freundlichen Grüßen

    Harald Mollers Minister